Es war erschienen der hiesige Hofs-Buschwächter Willem Kool und brachte folgende Klage vor.
Am 8ten d. M. 6 Uhr Nachmittags, als er aus dem Holzschlage kommend auf dem Wege nach dem Hofe gegangen, habe er den Gr. Köppeschen Loostreiber Andres Reinberg getroffen, als er eben aus dem Walde auf den Weg heraus gekommen. Als er ihn gefragt, was er als ein Fremter hier im Pujatschen Walde suche, habe Andres Reinberg geantwortet, dass er nur deshalb im Wald hineingegangen um seine Nothdurft daselbst zu verrichten. Hierauf habe Buschwächter Willem ihm angesagt, er solle solange auf dem Wege stehen bleiben, bis er sich von seiner Aussage überzeugt haben werde. Buschwächter Willem der Spur des Andres Reinberg, welche hier die einzige Spur gewesen, gefolgt und als er ca. 150 Schritte in den Wald hinein gegangen, habe er gefunden, dass daselbst ganz frisch abgesägt gewesen:
1 Lehnbaum 11 Zoll dick und 5 Faden lang
2 " 8 " " 4 1/2 " "
1 Ulmenbaum 4 " " 6 Fuss lang
und eine Ecksäge habe noch bei den abgesägten Bäumen gelegen und eine Spur sei nach der Sollo Mühle hin in den Wald hinein gegangen.
Hierauf sei Buschwächter Willem in das nahe belegene Suttioja Gesinde gegangen, habe Rits Ahmann aufgefordert, ihm Festnehmen des Andres Reinberg, den er für den Thäter des erwähnten Waldfrevels gehalten zu helfen. In der Nähe des Hofes hatten sie Andres Reimann fasst eingeholt; als er sie aber bemerkt, habe er die Flucht ergriffen und erst nach langem erschöpfenden Laufen war ihnen gelungen, gedachten Andres Reinberg auf dem Felde handfest zu machen, und ihn auf den Hof zu führen. Die Spuren bei den abgesägten Bäumen seien, die eine von Passeln, die andere von Stiefeln gewesen.
Der derseitige Gemeinde-Älteste Johann Lacksberg deponirte, wie er auf Aufforderung des Gutsherren mit dem Aufseher Peter Olep am anderen Morgen zu den abgesägten Bäumen gegangen und die daselbst befindlichen Spuren mit den von Jaan Reinberg, welcher am Tage vorher im Hofs-Kruge gewesen und der Theilnahme am Waldfrevel verdächtig, abgenommenen Stiefeln verglichen, die Spuren mit den Stiefeln aufs Genaueste übereingestimmt, indem die Stiefeln nicht allein vollkommen in die Spuren gepasst, sondern auch die Halbsohlen und die beschädigten Absätze an den Stiefeln aufs Schärfeste im nassen Schnee abgedrückt gewesen. Da nun Andres Reinberg in Passeln, Jaan Reinberg in Stiefeln gewesen, auch beide notarische Walddiebe wären, so wäre daran nicht zu zweifeln, dass dieselben auch die genannten Bäume abgesägt.
Andres Reinberg wurde vorgefordert und läugnet hartnäckig jede Mitthäterschaft am verübten Walddiebstahl im hiesigen Walde. Auf die Frage warum er vor dem Buschwächter geflüchtet, antwortet er, er sei betrunken gewesen und habe nicht gewusst was er gethan.
Hierauf erwidert Buschwächter Willem u. Rits Ahmann, Andres Reimann sei durchaus nüchtern gewesen, indem sie zu thun gehabt, ihn einzufangen.
Andres Reinberg wurde befragt, ob er oder sein Bruder Jaan eine Ecksäge besitze, antwortet er, dass er keine solche, wohl aber sein Bruder Jaan eine Quer- oder Ecksäge besitze. Als ihm die im Walde vorgefundene Säge vorgezeigt wurde, erkannte er sie nicht für die Säge seines Bruders, indem seines Bruders Säge keinen Bogen sondern nur 2 kurze Handgriffe hätte.
Jaan Reinberg vorgefordert, leugnet gleichfalls von den abgesägten Bäumen etwas zu wissen. Auf die Frage, was er denn am 8ten April in Pujat gesucht, antwortet er: er habe die Absicht gehabt nach Metsküll zu seinen Verwandten zu gehen, unter Weges sei ihm ein Mann begegnet und hatte ihm gesagt, dass bei der Lahho Brücke so starkes Wasser sei und nicht zu passiren. Als er gefragt wurde wer der Mann gewesen, der ihm begegnet und erzählt, dass das Wasser bei der Lahho Brücke ausgetreten, sagt Jaan Reinberg, es sei nicht ein Mann, sondern ein Weib gewesen und Weiber kenne er nicht alle.
Hierauf deponirte Tönnis Winnal der diesseitige Vorsitzer, er sei am 8ten April bei der Lahho Brücke gewesen, um die Reparaturen bei derselben in Augenschein zu nehmen und habe nicht das Mindeste Wasser ausgetreten gefunden und obige Aussage des Jaan Reinberg sei eine grobe Lüge.
Als Jaan Reinberg vorgehalten wurde, wie er bei der Voruntersuchung am 8ten April, den Besitz einer Ecksäge hartnäckig geläugnet und heute sein Bruder Andres ausgesagt, dass er eine solche Säge besitze, behauptete Jaan Reinberg auch jetzt keine Ecksäge zu besitzen, denn die Säge die er zu Hause habe, habe er von seinem Schwager Katsika Tönnis im Winter geliehen.
Es wurde sofort der Buschwächter Willem Kool reitend zum Katsika Tönnis abgeschickt, mit dem Auftrage, ihn zu fragen, ob er an Jaan Reinberg eine Ecksäge geliehen. Nach Rückkehr des Buschwächters brachte derselbe von Katsika Tönnis die Antwort, dass dieser nie eine Säge an Jaan Reinberg geliehen; wenn er dumme Streiche mache, so müsse er nicht ihn Tönnis darin verwickeln.
Da nun Andres und Jaan Reinberg des obigen Waldfrevels höchst verdächtig, der Gutsherr aber den Wunsch aussprach, die Entscheidung dieser Sache Einem Kaiserlichen ortlichen Kirchspiels Gericht zur Entscheidung zu übergeben so ward verfügt: Solches wie geschehen zu verschreiben.
Vorsitzer Tönnis Winnal XXX
Es war erschienen der hiesige Hofs-Buschwächter Willem Kool und brachte folgende Klage vor.
Am 8ten d. M. 6 Uhr Nachmittags, als er aus dem Holzschlage kommend auf dem Wege nach dem Hofe gegangen, habe er den Gr. Köppeschen Loostreiber Andres Reinberg getroffen, als er eben aus dem Walde auf den Weg heraus gekommen. Als er ihn gefragt, was er als ein Fremter hier im Pujatschen Walde suche, habe Andres Reinberg geantwortet, dass er nur deshalb im Wald hineingegangen um seine Nothdurft daselbst zu verrichten. Hierauf habe Buschwächter Willem ihm angesagt, er solle solange auf dem Wege stehen bleiben, bis er sich von seiner Aussage überzeugt haben werde. Buschwächter Willem der Spur des Andres Reinberg, welche hier die einzige Spur gewesen, gefolgt und als er ca. 150 Schritte in den Wald hinein gegangen, habe er gefunden, dass daselbst ganz frisch abgesägt gewesen:
1 Lehnbaum 11 Zoll dick und 5 Faden lang
2 " 8 " " 4 1/2 " "
1 Ulmenbaum 4 " " 6 Fuss lang
und eine Ecksäge habe noch bei den abgesägten Bäumen gelegen und eine Spur sei nach der Sollo Mühle hin in den Wald hinein gegangen.
Hierauf sei Buschwächter Willem in das nahe belegene Suttioja Gesinde gegangen, habe Rits Ahmann aufgefordert, ihm Festnehmen des Andres Reinberg, den er für den Thäter des erwähnten Waldfrevels gehalten zu helfen. In der Nähe des Hofes hatten sie Andres Reimann fasst eingeholt; als er sie aber bemerkt, habe er die Flucht ergriffen und erst nach langem erschöpfenden Laufen war ihnen gelungen, gedachten Andres Reinberg auf dem Felde handfest zu machen, und ihn auf den Hof zu führen. Die Spuren bei den abgesägten Bäumen seien, die eine von Passeln, die andere von Stiefeln gewesen.
Der derseitige Gemeinde-Älteste Johann Lacksberg deponirte, wie er auf Aufforderung des Gutsherren mit dem Aufseher Peter Olep am anderen Morgen zu den abgesägten Bäumen gegangen und die daselbst befindlichen Spuren mit den von Jaan Reinberg, welcher am Tage vorher im Hofs-Kruge gewesen und der Theilnahme am Waldfrevel verdächtig, abgenommenen Stiefeln verglichen, die Spuren mit den Stiefeln aufs Genaueste übereingestimmt, indem die Stiefeln nicht allein vollkommen in die Spuren gepasst, sondern auch die Halbsohlen und die beschädigten Absätze an den Stiefeln aufs Schärfeste im nassen Schnee abgedrückt gewesen. Da nun Andres Reinberg in Passeln, Jaan Reinberg in Stiefeln gewesen, auch beide notarische Walddiebe wären, so wäre daran nicht zu zweifeln, dass dieselben auch die genannten Bäume abgesägt.
Andres Reinberg wurde vorgefordert und läugnet hartnäckig jede Mitthäterschaft am verübten Walddiebstahl im hiesigen Walde. Auf die Frage warum er vor dem Buschwächter geflüchtet, antwortet er, er sei betrunken gewesen und habe nicht gewusst was er gethan.
Hierauf erwidert Buschwächter Willem u. Rits Ahmann, Andres Reimann sei durchaus nüchtern gewesen, indem sie zu thun gehabt, ihn einzufangen.
Andres Reinberg wurde befragt, ob er oder sein Bruder Jaan eine Ecksäge besitze, antwortet er, dass er keine solche, wohl aber sein Bruder Jaan eine Quer- oder Ecksäge besitze. Als ihm die im Walde vorgefundene Säge vorgezeigt wurde, erkannte er sie nicht für die Säge seines Bruders, indem seines Bruders Säge keinen Bogen sondern nur 2 kurze Handgriffe hätte.
Jaan Reinberg vorgefordert, leugnet gleichfalls von den abgesägten Bäumen etwas zu wissen. Auf die Frage, was er denn am 8ten April in Pujat gesucht, antwortet er: er habe die Absicht gehabt nach Metsküll zu seinen Verwandten zu gehen, unter Weges sei ihm ein Mann begegnet und hatte ihm gesagt, dass bei der Lahho Brücke so starkes Wasser sei und nicht zu passiren. Als er gefragt wurde wer der Mann gewesen, der ihm begegnet und erzählt, dass das Wasser bei der Lahho Brücke ausgetreten, sagt Jaan Reinberg, es sei nicht ein Mann, sondern ein Weib gewesen und Weiber kenne er nicht alle.
Hierauf deponirte Tönnis Winnal der diesseitige Vorsitzer, er sei am 8ten April bei der Lahho Brücke gewesen, um die Reparaturen bei derselben in Augenschein zu nehmen und habe nicht das Mindeste Wasser ausgetreten gefunden und obige Aussage des Jaan Reinberg sei eine grobe Lüge.
Als Jaan Reinberg vorgehalten wurde, wie er bei der Voruntersuchung am 8ten April, den Besitz einer Ecksäge hartnäckig geläugnet und heute sein Bruder Andres ausgesagt, dass er eine solche Säge besitze, behauptete Jaan Reinberg auch jetzt keine Ecksäge zu besitzen, denn die Säge die er zu Hause habe, habe er von seinem Schwager Katsika Tönnis im Winter geliehen.
Es wurde sofort der Buschwächter Willem Kool reitend zum Katsika Tönnis abgeschickt, mit dem Auftrage, ihn zu fragen, ob er an Jaan Reinberg eine Ecksäge geliehen. Nach Rückkehr des Buschwächters brachte derselbe von Katsika Tönnis die Antwort, dass dieser nie eine Säge an Jaan Reinberg geliehen; wenn er dumme Streiche mache, so müsse er nicht ihn Tönnis darin verwickeln.
Da nun Andres und Jaan Reinberg des obigen Waldfrevels höchst verdächtig, der Gutsherr aber den Wunsch aussprach, die Entscheidung dieser Sache Einem Kaiserlichen ortlichen Kirchspiels Gericht zur Entscheidung zu übergeben so ward verfügt: Solches wie geschehen zu verschreiben.
Vorsitzer Tönnis Winnal XXX